Leslie vor dem Reiten

[Tagebucheintrag] 01. August 2015 – Stangenarbeit – Was bringt das eigentlich?

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Leslie vor dem Reiten - StangenarbeitNachdem Leslie die ganze Woche in der Dressur gearbeitet wurde und zwei Mal im Gelände war, baute ich heute zur Abwechslung Stangen in das Training ein.

Mir ging es vor allem darum ihr mit den Trab- und Galoppstangen etwas Abwechslung zu bieten und weiter an der Rittigkeit zu arbeiten.

Trastangen Galoppstangen Abstand Als erstes ritt ich Leslie ab und achtete besonders auf den Takt und den Rhytmus. Dabei baut eich zur Wiederholung vom Montag die Vorhandwendung aus der Bewegung heraus ein. Beim Abgaloppieren schaute ich, dass Leslie „großrahmig“ nach vorne springt. Denn zurzeit hält sie sich noch im Rücken fest und macht dadurch sehr kleine Galoppsprünge.

Da es für Leslie anstrengend ist, lege ich auch immer wieder Schrittphasen am halblangen Zügel ein, sodass sie sich auch während der Arbeit etwas erholen und mal durchatmen kann.

Auf dem Bild seht ihr die Stangen vom Training.

Ich habe ein paar Trab- und Galaoppstangen auf gebogener Linie hingelegt und ein paar Trab- und Galoppstangenstangen mit integrierten Cavalettis.

Aber was bringen diese verschiedenen Stangen?

Fangen wir mal mit den Trab- und Galoppstangen auf gebogener Linie an.

Wenn Stangen auf gebogener Linie liegen, haben sie in der Mitte eine Abmessung von 1,30m bis 1,50m für Tragstangen und 3m bis 3,5m für Galoppstangen. Wenn ich also in der Mitte reite, habe ich den „normalen“ Galoppsprung bzw. den normalen Trabtritt. Ich kann aber den Galoppsprung bzw. den Trabtritt aber auch variieren. Reite ich weiter in der Mitte über die Stangen, habe ich eine gebogenere Linie und das Pferd muss den Trabtritt oder den Galoppsprung verkürzen. Reite ich weiter außen über die Stangen, ist die Linie größer und ich kann den Trabtritt bzw. den Galoppsprung verlängern. Das hat den Vorteil, dass das Pferd aufmerksam bleibt und durch die weiteren oder engeren Wendungen gut am Bein laufen muss. Sprich, die Übungen mit gebogenen Stangen helfen zum einen die Rittigkeit zu überprüfen. Nämlich, bekomme ich es hin, den Trabtritt oder den Galoppsprung zu verkürzen / zu verlängern? Bleibt das Pferd zwischen den Stangen auf meiner gedachten gebogenen Linie oder drängt es nach außen / nach innen weg. Zum anderen kann ich es aber auch nutzen, um die Rittigkeit meines Pferdes zu verbessern. Des Weiteren hilft es auch den Takt zu stärken. In dem ich immer wieder über die Stangen reite, wird es bei Pferden die es evtl. noch nicht so gut können immer besser. Der Reiter bekommt das Gefühl, wie ein Pferd über die Stangen trabt bzw. galoppiert und wird versuchen den Takt bzw. den Rhytmus beizubehalten. Auch kann der Reiter seinen Sitz „abgleichen“. Denn wenn ein Pferd wegdrängelt muss man sich als Reiter die Frage stellen, ob es die Schuld vom Pferd ist oder ob meine Einwirkung als Reiter falsch ist. Es könnte ja zum Beispiel auch daran liegen, dass ich als Reiter meine Schultern nicht mitnehme und das Pferd dadurch blockiere. Oder das ich am inneren Zügel ziehe, den führenden äußeren Zügel aber durchhängen habe und damit dem Pferd keine Anlehnung gebe, ihm im Genick verkante und die Stellung sowie die Biegung aufgebe.

Bei Leslie hilft es mir auch, den Trabtritt auszureiten und den normalen Galoppsprung zu erarbeiten. Das sie sehr kurze Tritte und kleine Sprünge hat, fällt ihr der normale Abstand noch schwer. Wenn ich weit außen über die Stangen reite, würde sie am liebsten zwei Galoppsprünge machen und muss sich von meinem Gefühl her, sehr anstrengen, den für die unendlich großen Sprung hinzubekommen. Ähnlich ist es im Trab. Je öfter ich es jedoch mache, desto besser wird es auch bei Leslie.

Trag- und Galoppstangen auf gerade Linie mit Cavalettis

Ich begann mit den Trabstangen und dem erhöhten Cavaletti in der Mitte. Über die Trabstangen muss das Pferd normalgroße Tritte machen und über das Cavaletti die Beine mehr heben. Das hilft, das Pferd zu gymnastizieren und den Rücken zu lockern. Außerdem hilft es die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Später bzw. bei Pferden die die erhöhten Stangen schon gewohnt sind, kann man auch drei Cavalettis hintereinander stellen. Beim Überreiten der Stangen muss das Pferd nämlich auch die Hinterhand mehr beugen und dadurch mehr durch den Körper schwingen. Der Reiter sollte den Schwung des Pferdes dann auch zulassen und auch etwas in der Hand nachgeben, wenn das Pferd gerade am Anfang den Hals etwas vorwärts abwärts dehnen möchte. Um die Anlehnung zu erhalten, sollten die Zügel aber nicht weggeworfen werden. Über die Stangen kann man um leichten Sitz oder im Leichttraben drüber reiten. Bei Pferden die gut und elastisch über den Rücken treten, kann man auch im Aussitzen drüber traben. Der Reiter sollte sich dann aber sicher sein, dass er das Pferd nicht im Rücken stört.

Die ersten Male habe ich Leslie im Entlastungssitz mit etwas längerem Zügel drüber getrabt. Zum Ende hin dann im Leichttraben und mit etwas mehr Anlehnung.

Cavalettis mit einer Distanz von fünf Galoppsprüngen und einer Galoppstange

Die Cavalettis stehen auf einer Distanz auf ca. 21,5m. Dies sind fünf Galoppsprünge. Wenn ich Leslie einfach „locker“ über die Cavalettis reite, macht sie immer 6 Galoppsprünge. Daran sieht man, dass sie die Sprünge verkürzt springt und keinesfalls locker durch den Körper. Wenn ich sie mit 5 Galoppsprüngen durch die Distanz geritten habe, musste ich ganz schön vorwärts reiten und sie viel mir fast schon ein wenig auseinander. Die gesunde Spannung und eine gute Anlehnung war nicht mehr da.

Bei Pferden die einen normalen Galopp haben, kann man solche Distanzen aber auch gut nutzen, um die Galoppsprünge zu verändern. Geht ein Pferd locker mit 5 Galoppsprüngen durch die Distanz, kann man es auch mal zurücknehmen und mit 6 Galoppsprüngen reiten oder die Sprünge verlängern und mit 4 Galoppsprüngen die Distanz reiten. Auch dies ist wieder eine Überprüfung, wie gut oder schlecht das Pferd am Bein geht und wie rittig es ist.

Bei Leslie ging es mit aber hauptsächlich mal darum die vernünftig durch die Distanz zu galoppieren. Also legte ich für den dritten Galoppsprung eine weitere Stande auf den Boden. So kam sie über das Cavaletti, machte zwei Galoppsprünge, galoppierte einen verlängerten Galoppsprung über die Stange und hatte noch einmal zwei Galoppsprünge bis zum Cavaletti.

Diese Übung half ihr selbst, die Distanz besser einzuschätzen und die „Hindernisse“ zu taxieren. Beim ersten Mal passte es alles nicht so. Sie versuchte drei Galoppsprünge zu machen und wollte eher kurz wegspringen. Da die Hindernisse aber nicht hoch sind, also auch nicht viel passieren konnte, hatte ich die Möglichkeit sie sehr groß über die Stange gehen zu lassen. ich selbst musste aber schauen, den Schwung aus der Ecke heraus beizubehalten, weiter zureiten und zu schauen, dass ich den ersten passend bekomme. Denn wenn ich den ersten schon groß nehmen muss, dann passt es in der Distanz nicht mehr. Dann kann das Pferd nichts dafür. Höre ich aber auf zu reiten oder halte sie vorher zu sehr oder reite einfach zu dicht, verkürzt Leslie ihren kurzen Galopp manchmal und der Schwung fehlt einfach um die Distanz zu bekommen. Auch mir half die Stange in der Mitte um die Galoppsprünge einzuschätzen. Außerdem zählte ich laut mit.

Diese Übung schult nicht nur das Pferd sondern auch das Auge des Reiters. Nachdem ich ein paar Mal über die Distanz ritt, klappt es dann wirklich gut.

Immer wenn Leslie ihre Aufgabe gut gemacht hat, legte ich eine Schrittpause ein, damit sie sich entspannen konnte und die Chance hatte über das eben gemachte nachzudenken.

Zum Schluss kombinierte ich die Dinge alles. Einmal ritt ich über die gebogenen Trabstangen und anschließend über die Stangen mit dem Cavaletti, dann ritt ich die gebogenen Galoppstangen und die Cavalettis.

Vorteil ist, dass man alles von der rechten wie von der linken Hand anreiten kann und so noch mehr Variationen zur Verfügung stehen. Man kann zum Beispiel auch die Galoppstangen reiten, dann zum Trab durchparieren, eine Zirkelrunde reiten, auf der man angaloppiert und dann die Galoppstangen nehmen usw.. In dieser Übung hat man dann auch noch die Möglichkeit Übergänge einzubauen und die Aufmerksamkeit des Pferdes zu erhalten.

Leslie hat das Training sehr viel Spaß gemacht und eigentlich gar nicht gemerkt, wie viel wir trainiert haben.

Stangenarbeit ist im Übrigen auch gut für Dressurpferde. Ich habe zwar schon öfter gehört wie mir eine Dresusrreiterin sagte, das könne ihr Pferd nicht, da breche sich das Pferd die Beine oder mein Pferd könne nicht springen. Aber auch ich habe Angst vor dem Srongen und traue mich nicht. Ich glaube aber Stangenarbeit kann jedes Pferd und und jeder Reiter. Ich bin auch der Meinung, dass es für Reiter und Pferde gleichermaßen wichtig ist. Vielleicht müssen sich diese Pferde erst einmal daran gewöhnen, aber auch ein Dressurpferd was S-Dressur geht, freut sich über ein wenig Abwechslung. (Kranke Pferde die das nicht mehr dürfen, sind hier ausgeschlossen).

Ich möchte aber auch an alle Reiter appellieren und sie bitten, dass sie sich selbst kritsich betrachten und realistisch einschätzen. Denn dem Reiter und dem Pferd bringen diese Übungen nichts, wenn der Reiter nicht unabhänig und ausbalanciert auf dem Pferd sitzen kann, sich am Zügel festhält und dem Pferd im Rücken stört. Dann ist es dem Pferd nur fair gegenüber, wenn ihr mit dieser Bitte auf euren Trainer zugeht und ihn fragt, ob ihr das auch mal machen könnt. So lernt ihr dann auch noch viel dabei und habt lange Spaß mit eurem Partner Pferd.

Nach dem Training durfte Leslie dann zur Belohnung etwas auf´s Paddock, um noch ein bisschen abzuschalten und ein wenig Gras zu knabbern.

Leslie beim Grasen Leslie auf dem Paddock

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