[Montagsserie] Turnierreiten: Aufbau einer Turnierausschreibung und Turnierprüfung

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Hallo ihr lieben, nicht

wo ihr Prüfungen nennen müsst, wisst ihr ja dank dem Beitrag der letzten Woche: nämlich in Nennung Online.

Doch jetzt stellt sich die Frage, was genannt werden darf und wie eine Nennung aufgebaut ist.

Die Grünen Seiten

Neben Nennung Online sind die Nennungen auch immer in den Verbandszeitung der jeweiligen Landesverbände ausgeschrieben. Bei mir ist es z. B. das Pferdesport Journal, welches für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg gilt. Bei Jule ist es die Pferde im Osten und gilt für Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.

Dort befindet sich am Beginn der „Grünen Seiten“ (früher waren die Seiten tatsächlich grün) immer eine Übersicht über die in der aktuellen Zeitschrift ausgeschriebenen Turniere. Dort könnt ihr dann ja schon einmal schauen, ob Orte in eurer Nähe dabei sind. Mit der Zeit kennt man ja auch seine Turniere und weiß schon am Beginn des Jahres wann man wo hinfahren will. Gerade zum Anfang ist es aber zu empfehlen an einem Turnier in der Nähe teilzunehmen, damit man nicht gleich beim ersten Turnier irgendwo übernachten muss. Denn wenn ihr zum Beispiel eine Prüfung am Vormittag reitet, wisst ihr ja nicht, ob diese Prüfung morgens um 7 Uhr beginnt oder erst um 11 Uhr.

Übersicht Turnierausschreibugen

Außerdem befindet sich in den Grünen Seiten auch immer eine Übersicht über die vorläufigen Termine der Turniere und Breitensportveranstaltungen für das ganze Jahr. So könnt ihr euch zu jeder Zeit einen Überblick verschaffen, welche Turniere noch kommen und an welchen Wochenenden Turniere parallel stattfinden. Denn es ist nicht unüblich, dass man am Samstag auf Turnier X reitet und sonntags auf dem Turnier Y startet.

Aufbau einer Ausschreibung – Organisatorischer Teil

Der Aufbau einer Nennung ist in der LPO genau geregelt. Wer dazu also genauere Infos braucht, weil er zum Beispiel eine Abkürzung nicht deuten kann, kann zu jeder Zeit dort hineinschauen. Die Regelung findet ihr im Teil A in §33 ff..

Wir werden den Aufbau einer Ausschreibung anhand eins Beispiels aus der März-Zeitschrift erklären, weil wir es euch so etwas „praktisches“ darstellen können.

Die Ausschreibung könnt ihr hier einsehen: Ausschreibung Griesheim

Name des Turniers

In den Namen der Turniere befindet sich immer der Ort und ggf. Informationen zur Art des Turniers. Also kann ein Turnier z.B. „Riedrode“ heißen oder auch „Griesheim mit Wertung zur Kreismeisterschaft des KRB Darmstadt-Dieburg und FEI-Junioren Prüfung„. So sieht man auf den ersten Blick, wie „groß“ das Turnier ist. Würde ich meine erste Prüfung nennen wollen, würde ich mich für Riedrode entscheiden. Denn ihr könnt euch vorstellen, dass in Griesheim zum einen sehr viele Starter sein werden und zum anderen die Qualität der Reiter und Pferde sehr hoch sein wird.

Es gibt aber auch Turniere mit dem Namen „Ronneburg-Neuwiedermuß Dressurturnier“ oder „Lorsch Springturnier“. Hier wisst ihr genau, wo ihr nennen müsst, wenn ihr Dressur- oder Springprüfungen reiten wollt.

Die Ergänzung „Late Entry“ bedeutet im Übrigen, dass man auf diesen Turnieren erst sehr kurzfristig nennt (bis zwei Stunden vor dem Start), diese aber auch etwas mehr Nenngeld kosten.

Organisatorische Informationen

Zu Beginn einer Ausschreibung findet ihr immer die „organisatorischen Infos“.

Da sind:

  • der bzw. die Veranstalter z.B. RFV Griesheim e.V. 6500715 in Verbindung mit dem Pferdezuchtverein Odenwald-Starkenburg
  • Nennschluss
  • Verantwortliche der Nennstelle inkl. Adresse
  • die Namen der anwesenden Richter
  • Namen der Turnierleitung
  • den Parcourschef
  • der vorläufige Zeitplan / die vorläufige Zeiteinteilung
  • die Platzverhältnisse
  • besondere Bestimmungen
  • ggf Hinweise – an unserem Beispiel  „Hinweis zur Kreismeisterschaft Darmstadt Dieburg“
  • Der Teilnehmerkreis

Im Anschluss daran kommen dann die Ausschreibungen der einzelnen Prüfungen.

Doch bevor wir jetzt die Prüfungsausschreibungen auseinander nehmen, möchten wir noch ein paar Worte zu den organisatorischen Infos verlieren.

Vorläufiger Zeitplan / vorläufige Zeiteinteilung (ZE)

Die vorläufige Zeiteinteilung (ZE) heißt nicht, dass die erste genannte Prüfung auch die erste Prüfung des Tages ist.  In Griesheim ist die vorläufige ZE z.B. Sa. vorm.: 14; nachm.: 11,12,15,19,20,24.

Das heißt aber nicht, dass Prüfung 11 die erste Prüfung am Nachmittag ist, sondern lediglich, dass sie irgendwann am Nachmittag beginnt. So kann es also sein, dass die Prüfung um 13 Uhr beginnt oder auch erst um 19 Uhr.

Gerade für Prüfungen an Freitagen oder an Prüfungen die vormittags beginnen, ist diese Info sehr wichtig. Denn wenn man eine Prüfung nennen würde, weil man denkt, dass sie eher erst am Abend stattfindet, dann aber um 13 Uhr beginnt, kann man diese unter Umständen am Freitag wegen der Schule/Arbeit etc. nicht reiten.

Platzverhältnisse

Unter dem Punkt Platzverhältnisse finden sich Informationen zu den Vorbereitungs-und Prüfungsplätzen. Es ist angegeben, wie groß die einzelnen Plätze sind und welchen Belag die Plätze haben. Sind es z.B. Rasenplätze, naturbelassene Rasenplätze oder vielleicht Sandplätze.

Unter Platzverhältnisse ist auch angegeben, ob eine Prüfung ggf. in der Halle stattfindet.

Besondere Bestimmungen

Unter besondere Bestimmungen kann der Veranstalter den Reitern weitere Hinweise mitteilen. So kann zum Beispiel der Ansprechpartner der Reitanlage oder für die Pferdeboxen hinterlegt werden oder eine Info, dass bestimmte Prüfungen bei hoher Nennungszahl verlegt werden. Beim Springturnier in Schwanheim ist zum Beispiel angegeben, dass die Teilnahme an der Siegerehrung nur für die ersten sechs Platzierten verpflichtend ist und, dass es bei Nichtteilnahme an der Siegerehrung zur Aberkennung der Platzierung kommt.

Die besonderen Bestimmungen sollte man sich also tatsächlich ansehen.

Ggf. Hinweise – an unserem Beispiel  „Hinweis zur Kreismeisterschaft Darmstadt Dieburg“

Bei Turnieren, die Austragungsort besonderer Veranstaltungen sind, sind in den Ausschreibungen Hinweise zu diesen Veranstaltungen gegeben. Welche Prüfungen werden gewertet, wie werden sie gewichtet, wer darf welche Prüfung unter welchen Umständen reiten usw..

Im Falle vom Turnier in Griesheim sind die näheren Informationen zur Kreismeisterschaft hinterlegt.

Wenn bestimmte Cups oder Trophys ausgeschrieben sind, finden sich an dieser Stelle die Hinweise zu dieser Trophy.

Teilnehmerkreis

Unter dem Punkt Teilnehmerkreis ist angegeben, welche Reiter an den Turnier teilnehmen können. Gerade bei kleinen Prüfungen und WBO Turnieren ist der Teilnehmerkreis oft recht beschränkt.

So wird auf Turnieren mit Prüfungen mehrerer Klassen der Teilnehmerkreis auch nach ausgeschrieben Prüfungen unterteilt.

In Griesheim z.B. sind für die Wettbewerbe im E-Bereich nur Reiter aus den Kreisreiterbunden (KRB) in näherer Umgebung zugelassen, wohin andere Prüfungen bundesweit ausgeschrieben sind (also, bei denen Reiter aus ganz Deutschland starten dürfen) oder nur für bestimmte Landesverbände (LV).

Hier müsst ihr also genau schauen, ob ihr an dem Turnier eurer Wahl die Prüfung eurer Wahl überhaupt reiten dürft.

Aufbau der Ausgeschriebenen Prüfungen

Nun kommen wir aber zu den Prüfungsausschreibungen.

In jeder Prüfung ist genau festgelegt, wer mit wie vielen Pferden an den Prüfungen teilnehmen darf und was zu beachten ist.

Um dies besser zu verdeutlichen erklären wir die Prüfungsausschreibung anhand zweier Beispiele.

Die Prüfungen selbst stellen wir euch aber in einem anderen Beitrag vor.

Stilspringprüfung der Kl. A*

13. Stilspringprüfung Kl.A* (E + 150,00 €, ZP)
gleichzeitig Wertung zur KM LK 5
Pferde: 5j.+ält.
Teiln.: Alle Alterskl. LK 4 – 6 ; LK 4 mit in SL u./o. höher unplatzierten Pferden
Ausr. 70 Richtv: 520,3a
Einsatz: 10,50; VN: 15; SF: Q; So. vorm

Die Prüfung Nummer 13 ist eine Stilspringprüfung der Klasse A* und gilt gleichzeitig als Wertungsprüfung zur Kreismeisterschaft der Leistungsklasse (LK) 5.

In dieser Prüfung dürfen nur Pferde starten, die am 01. Januar 2017 mind. 5 Jahre alt geworden sind oder älter. Sprich wenn das Geburtsdatum deines Pferdes der 15.06 ist und es eigentlich erst  dann den 5. Geburtstag feiert, ist es laut LPO bereits seit dem 01.01.2017 5 Jahre alt.

Außerdem dürfen Teilnehmer jeden Alters an der Prüfung teilnehmen. Sie müssen jedoch die LK4, LK5 oder LK6 haben. Mit LK0 oder LK 3 darf man in dieser Prüfung nicht starten (außer man reitet außer Wertung).

LK 4 mit in SL u./o. höher unplatzierten Pferden: Bei den Reitern mit LK 4 gibt es jedoch eine Einschränkung. Denn diese dürfen nur mit Pferden starten, die noch keine Platzierungen in Springen (S)  der Klasse (L) oder einer „höheren“ Prüfung, sprich M oder S-Springen, haben. Das heißt im Umkehrschluss, dass diese Reiter nur mit Pferden starten dürfen, die in Prüfungen der Klasse E oder A platziert waren.

Dabei ist es egal wie viele L-, M-, oder S-Springen die Pferde schon gegangen sind. Wichtig ist nur, dass sie nicht platziert waren.

Ausr. 70 Richtv: 520,3a: Dieser Hinweis bedeutet, dass in der Prüfung mit der Ausrüstung geritten werden darf, die nach §70 der LPO zugelassen ist und, dass die Prüfung nach dem Richtverfahren des §520, 3a gerichtet wird.

Der §520, 3a gibt an, in welcher Art und Weise die Prüfung gewertet werden muss:

§520, 3a LPO „Stil-Spring-LP (mit EZ): Von der Wertnote gemäß Ziffer 1 werden die Strafpunkte gemäß Zimmer 2 abgezogen.“

Dabei heißt LP= Leistungsprüfung und EZ erlaubte Zeit. Sprich, bei dieser Prüfung handelt es sich um ein normales Stilspringen.

Einsatz: 10,50: Der Einsatz ist immer der Preis der Prüfung, in diesem Fall in Euro; also das, was die Prüfung kostet; sprich 10,50 € pro Start,

VN: 15: VN heißt „verlangte Nennungen“. Es sagt aus, wie viele Nennungen eingehen müssen, damit die Prüfung überhaupt stattfindet; in diesem Fall mind. 15.

SF: Q; SF steht für Startfolge. Bei der Stilspringprüfung ist die Startfolge Q angegeben. Somit starten die Reiter zuerst, die ein Pferd mit dem Namen „Q“ haben. Gestartet wird nach dem Alphabet. Würden Jule (Hiro) und ich (Dragon) die Prüfung reiten, würden wir etwas im Mittelfeld starten.

Gerade bei Prüfungen mit hoher Teilnehmerzahl ist das wichtig, da man dann die Anfahrt entsprechend planen kann.

So. vorm: So vorm. ist nochmal ein Hinweis auf die vorläufige Zeiteinteilung. Diese Prüfung findet am Sonntagvormittag statt.

(E + 150,00 €, ZP): (E + 150,00 €, ZP) ist ein Hinweis auf die Geldpremie, die in dieser Prüfung ausgeschüttert wird. Für das Stilspringen heißt es also, dass der Sieger und die Platzierten eine Geldpremie in Höhe des Einsatzes + 150 €, sowie eine Züchterpremie (ZP) erhalten.

Die genaue Aufteilung der Geldpreise und Züchterpremien können in der LPO nachgelesen werden. Denn es gibt hier auch verschiedene Auszahlungsmethoden. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Geldpreise würde im Rahmen dieses Beitrags jedoch zu weit führen.

Fakt ist jedoch, dass 25% der gestarteten Teilnehmer einen Anspruch auf einen Geldpreis haben.

Reiter-Wettbewerb

Es gibt aber Prüfungen, die nur für bestimmte Altersklassen zugelassen sind:

25. Reiter-WB Schritt – Trab – Galopp (E)
Pferde: 5j.+ält. (Ponys ausgeschlossen)
Teiln.: Junioren, Jahrg.11-99 LK 0,ohne. Bei Nennung Geburtsdatum unbedingt angeben.
Je Teilnehmer 1 Startplatz. Je Pferd 3 Teilnehmer
Ausr. WB 234 Richtv: WB 234
Einsatz: 8,00 ; VN: 10;SF: nach Jahrgang, die Älteren zuerst; So. nachm.

Der Reiter-Wettbewerb (WB) ist zum Beispiel als WBO Prüfung ausgeschrieben. Hier gibt es keine Geldpreise, weshalb hier auch der Zusatz fehlt. In diesem Prüfungen erhaltend meist die ersten drei Platzierten einen Sachpreis bzw. Ehrenpreis eines Sponsors.

Bei dieser Prüfung sind Pferde erlaubt die 5-jährig oder älter sind. Ponys sind in dieser Prüfung ausgeschlossen. Für die Ponyreiter gibt es eine eigene Prüfung, in der dann die Pferde ausgeschlossen sind.

Die Prüfung ist für Junioren des Jahrgangs 2011 – 1999 ausgeschrieben. Das heißt, dass in dieser Prüfung nur Teilnehmer starten dürfen, die zwischen 2011 und 1999 geboren sind. Deshalb ist auch angegeben, dass in der Nennung auf jeden Fall das Geburtsdatum eingetragen sein muss.

Außerdem muss der Reiter LK 0 haben, oder eben keine Leistungsklasse, da man bei WBO Turnieren ja nicht bei der FN gemeldet sein muss.

In dieser Prüfung darf jeder Teilnehmer nur ein Pferd reiten, dafür das das Pferd 3 Mal in dieser Prüfung zugelassen. Das ist besonders für Reitschulen von Interesse, da sie mehrere Kinder mit einem Pferd reiten lassen können und so auch mehreren Kindern einen Start auf einem Turnier ermöglichen können.

Ausr. WB 234: Die zugelassene Ausrüstung richtet sich bei dieser Prüfung nach dem §234 der WBO.

Richtv: WB 234: Auch das Richtverfahren ist in der WBO geregelt.

SF: Anders als bei LPO Prüfungen richtet sich hier die Startfolge nicht nach den Nachnamen der Pferde, sondern nach dem Alter der Reiter. Dabei gehen die ältesten Reiter zuerst an den Start.

Offene und Geschlossene Prüfungen

In den Ausschreibungen ist auch immer wieder von „geschlossenen Prüfungen“ zu lesen. Prüfungen ohne diesen Zusatz sind generell „offene Prüfungen“.

Geschlossene Prüfungen wurden eingeführt, um für die Amateur-Reiter eine Prüfung zu erschaffen, in denen die Profi Reiter, die jedes Wochenende mit mehreren Pferden auf Turniere fahren oder dies beruflich betreiben, ausgeschlossen sind. Es ist quasi eine Amateurprüfung für „Freizeit-Turnierreiter“ (das ist nicht wertend gemeint ;-)).

In geschlossenen Prüfungen darf jeder starten der nicht:

  • im LPO-Anrechnungszeitraum mehr als drei Pferde in einer Disziplin platziert hat
  • an S***-Prüfungen teilgenommen hat
  • der LK 1 angehört
  • Pferdewirtschaftsmeister der klassischen Reitausbildung ist
  • innerhalb der letzten vier Jahre den Pferdewirt (klassische Reitausbildung), abgelegt hat.

Wenn ihr geschlossene Prüfungen reiten dürft steht dieser Zusatz auch in eurem Nennung Online Profil.

Altersklasseneinteilung bei der FN

Bei der FN werden die Reiter in vier Altersklassen eingeteilt. Oft sind bestimmte Altersklassen auch in Turnierausschreibungen angegeben.

Die Altersklassen sind:

  • Junioren: 18 Jahre oder jünger.
  • Junge Reiter/Fahrer: zwischen 19 und 21 Jahren
  • Reiter/Fahrer: 22 bis 39 Jahre.
  • Senioren: 40 Jahre oder älter

Zeitraum Turnierjahr:

Ein Turnierjahr geht immer vom 01.10. bis 30.09..

So nun wisst ihr wie eine Nennung aufgebaut ist. Im nächsten Blog werden wir euch mal zeigen, wie eine WBO Nennung auszufüllen ist.

Solltet ihr Fragen zum Thema Ausschreibung haben, stellt sie uns gerne in den Kommentaren.

Liebe Grüße,
Eure Zwinkerlinge

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