[Montagsserie] Longieren Teil 3, Wie funktioniert longieren und welche Hilfen setze ich ein

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Hallöchen,

nachdem Teil 1 und Teil 2 unserer Longierreihe bereits abgeschlossen sind, erfahrt ihr heute, wie das mit dem Longieren nun funktioniert und wie, welche Hilfen gegeben werden.

Ich kann nicht alle Eventualitäten benennen. Ich beziehe mich auf den Normalfall. Also nicht auf spezielle Einzelfälle. Es wird sicher beim Lesen Jemand feststellen, dass das eine oder andere fehlt. Aber diese Serie soll ein allgemeines Verständnis und die wichtigsten Inhalte vermitteln. Alles andere müsste man als Buch verfassen. Da hätte man Platz für den ganzen Umfang. Vieles, sehr spezielles und Weiterführendes, kann man in sehr vielen Büchern nachlesen, die es bereits gibt. Das Wichtigste und vermutlich verbreitetste Buch, wenn es um die Abzeichen geht, ist das Buch Richtlinien für Reiten und Fahren Band 6 Longieren.* dies ist von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung herausgegeben wurden und bindend.

Wie funktioniert das Longieren?

Bevor Du anfängst zu Longieren, solltest Du den Umgang mit der Longe sicher beherrschen. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre es angebracht in einigen Trockenübungen den Umgang zu erlernen. Wenn Du einmal ein Pferd an der Longe hast, hast Du dafür keine Zeit mehr. Du solltest eine Longe sicher Auf-/ Abwickeln können, ohne das sie sich dabei verdreht oder verknotet. Dabei sollte Dir bewusst sein, dass Du bei der Arbeit noch eine Peitsche in der Hand hast. Übe auch gleich mit der Peitsche in der Hand. Die Sicherheitsschlaufe wird beim Aufnehmen zwischen Zeige- und Mittelfinger gehalten, die Peitschenhand greift dann vor die Longenhand und legt eine Schlaufe. Diese wird in die Longenhand gelegt. Die erste Schlaufe darf bis zum Knie, jedoch nicht länger nach unten gehen. Die nächsten Schlaufen werden genauso gelegt, nur das sie immer, um etwa 10 cm, kleiner werden. Das verhindert ein Verknoten. Die andere Möglichkeit sind gleich lange Schlaufen. Wenn Du die Longe so aufnimmst verknotet sie nicht. Bedenke aber den Handwechsel. Hast du diesen vor, muss die neue Longenhand, sowie die neue Peitschenhand diese Aufgaben erfüllen, sonst verdreht die Longe beim Ausgleiten aus der Hand. Beim Abwickeln der Longe ist zu beachten, dass Du nicht eine ganze Schlaufe wegschmeißt, sondern dass die Longe durch den Zug des Pferdes aus der Hand herausgleitet. Schmeißt du die Longe weg, hast du keine Verbindung zum Pferd mehr und somit auch keine Einwirkung. Außerdem besteht die Gefahr, dass Du oder das Pferd in die Longe trittst. Weiter geht es beim Longenführer

Longenführer:

Der Longenführer steht während des Longierens flexibel in der Mitte des Kreises und dreht sich dabei um die eigene Achse. Du stehst in Höhe des Rumpfbereiches vom Pferd. Dein Arm ist Locker angewinkelt, genau wie beim Reiten. Der Daumen zeigt als Dach nach Oben, die Hand steht aufrecht. Die Longe sollte stets straff sein und zum Gebiss führen. Die Peitsche erst einmal generell Richtung Sprunggelenk des Pferdes. Somit bilden Peitsche und Longe in Bezug zum Longenführer ein Dreieck. Der Winkel vom Longenführer beträgt etwa 45°. Der Longenführer heißt Führer, weil er das Pferd führt. Er sagt dem Pferd mit den zur Verfügung gestellten Hilfen was es zu tun hat. Dies ganz klar und kurz und knapp.

Du weißt jetzt und hast es auch geübt, wie man eine Longe aufnimmt und wie sie aus der Hand gleitet und wie Du in Beziehung zum Pferd während der Arbeit stehst. Jetzt geht es darum, wie Du das Pferd in diese Beziehung bekommst. Dein Pferd und Du stehst jetzt also in der Mitte des Longierzirkels. Die Peitsche hast Du unter dem Arm klemmen. Nicht auf dem Boden ablegen. Du musst Dich sonst im Anschluss Bücken. Das ist absolut gefährlich. Das Pferd könnte sich z.B durch einen äußeren Reiz erschrecken und die ausversehen treten. Es könnte Los rennen und dich dabei umrennen. Nun stellst Du dich parallel zum Pferd, auf Höhe des Rumpfes und schickst behutsam das Pferd in die Vorwärtsbewegung nach draußen. Dabei bleibst du auf dem Zirkel. Also lasse ihn durch Zirkel vergrößern nach Außen gehen. Du kommst dabei nicht hinter oder vor das Pferd. Die Peitsche zeigt dann Richtung Sprunggelenk. Sollte das Pferd nicht nach draußen gehen, wird die Peitsche nach vorne oben Richtung Kopf geführt. Grundsätzlich gilt stehst Du aufrecht zum Pferd, Auf Höhe des Rumpfes bleibt das Pferd in dem Tempo. Bleibst Du in Höhe der Hinterhand, erhöht das Pferd das Tempo. Zeigt Dein Körper eher in Richtung Kopf, verlangsamt das Pferd das Tempo. Gehst Du parallel zum Pferd vor das Pferd, stoppt das Pferd ab. So die Theorie. Dass das nicht sofort gelingt ist klar. Der Rest klärt sich bei den Hilfen.

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Ein junges Pferd, welches ich vor dem Reiten ablongiert habe.

Hilfen beim Longieren:

Peitschenhilfe:

Wie im oberen Teil schon gesagt zeigt die Peitsche in der Regel zum Sprunggelenk des Pferdes. Die Peitsche übernimmt quasi den verlängerten Arm und sorgt für den Vorwärtsgang des Pferdes, treibt das Pferd nach Außen oder Pariert es. Zum Vorwärtstreiben schwingt man die Peitsche aus dem Handgelenk vom Sprunggelenk nach Vorwärts – Aufwärts über die Gruppe Richtung Hals. Möchte man die Hinterhand zum vermehrten beugen animieren, touchiert man das Pferd leicht am Sprunggelenk. Soll das Pferd nach draußen gehen, z.B beim Zirkel vergrößern oder weil es nach innen drängt, hebt man die Peitsche an und lässt sie in Richtung Kopf des Pferdes zeigen. Reagiert es nicht schwingt man die Peitsche leicht in die Richtung. Möchte ich mein Pferd im Tempo drosseln, so senkt man die Peitsche. Reagiert das Pferd gar nicht, kann man auch einen Schritt schneller werden und die Peitsche vor das Pferd bringen. Die Peitschenhilfe sollte mit Deiner Standposition, sowie Deiner Körperhaltung kombiniert werden. Ein Longieren ohne Peitsche ist Zwecklos, denn dann würden komplett die treibenden Hilfen fehlen.

Solltest Du mal auf das Wort Touchierpunkt treffen, dann wunder Dich nicht. Die gibt es, spielen aber für Deine Arbeit erst einmal keine Rolle. Das sind Punkte, die man mit einer längeren Gerte berührt, wenn man das Pferd am Langen Zügel oder der Doppellonge arbeitet.

Longenhilfe:

Longenhilfen sind nur korrekt möglich, wenn der Longenführer es schafft eine konstante, weich federnde Verbindung zwischen Pferdemaul und Longenhand herzustellen. Quasi wie beim Reiten. Somit können auch Paraden gegeben werden. Es zählt auch hier der Leitspruch: „innere Schenkel treibt gegen äußere Zügel.“ Nur das der Schenkel durch die Peitsche ersetzt wird. Die Longe sorgt für die Stellung im Genick. Ziehe  aber nicht wie wild daran, denn dann wird sich Dein Pferd im Genick verwerfen. Auf Druck folgt Gegendruck. Sollte es Dir passieren, dass das Pferd zu sehr nach Außen drängelt, sucht es die Anlehnung nach Außen und oder ist noch nicht ausbalanciert. Da hilft dann aber auch kein dauerhaftes Ziehen am Maul. Nehme stattdessen Paraden zur Hilfe. Also annehmen und nachgeben. Tempo und Richtung können durch die Longe auch korrigiert werden.

Stimmhilfe:

Die Stimmhilfe ist beim Longieren ein wichtiger Bestandteil und viel bedeutender als beim Reiten. Hört das Pferd einmal auf die Anweisung Deiner Stimme, kannst Du Dir dies auch beim Reiten zunutze machen. Es ist wichtig darauf zu achten, dass Du die Wörter in der Silbe möglichst gleich aussprichst. Nicht einmal Terab und dann wieder Trab oder Gaaaalopp und dann Galopppp. Weißt Du was ich meine? Möchtest Du ein Pferd im Tempo drosseln oder erhöhen, dann mache dies übers Schnalzen oder brrrr-Sagen. Willst Du ein Pferd beruhigen, wende die lange und tiefe Töne an. Schnelle und hohe Töne puschen ein Pferd. Rede auch nicht ständig mit dem Pferd. Dann kommen die Kommandos nämlich nicht mehr an. Verwenden am besten kurze, klare und konsequente Ansagen.

Zusammenwirken der Hilfen:

Jetzt hast Du über jede Hilfe einzeln erfahren, wie diese einzusetzen ist. Richtig wirken  sie jedoch nur im Zusammenspiel. Dazu kommt noch Deine Körperhaltung und Ausstrahlung. Du musst stets den Eindruck erwecken, dass Du genau weißt was du tust, auch wenn es nicht so ist. Sage Deinem Pferd ganz klar was es tun soll und was es nicht tun soll. Sei dabei bestimmend und fordere es ein. Du bist der Chef. Achte auf Deine Körperhaltung. Gelingt etwas nicht, dann hinterfrage erst einmal Dich – was mache ich tatsächlich und reflektiere kurz Deine Handlungen. Frage evtl. Außenstehende wie Du wirkst. Meist löst sich dann das Problem schon in Luft auf. Achten bitte auch darauf, dass Du korrelierende Hilfen gibst. Sind sie widersprüchlich, weiß das Pferd nicht was es soll. Z.B wenn Du mit Deinem Körper zu weit vor das Pferd kommst, also eher bremst und an der Hinterhand des Pferdes mit der Peitsche treibst, damit es vorwärts geht. Dann weiß dein Pferd nicht, was es tun soll. Soll es langsamer oder schneller werden? Oder wenn sie hinter das Pferd geraten und eigentlich bremsen wollen und dabei noch die Stimme anheben und lauter werden.

Achte beim Longieren mal auf die Signale, die Du Deinem Pferd gibst. Also auf den Blick, das Ohrenspiel und die Muskulatur. Nach einer Weile wirst Du feststellen, dass Du schon siehst, was das Pferd machen wird. So kannst Du reagieren, bevor es zu spät ist. Das Pferd sollte sich auf Dich konzentriert sein und Dir zuhören.

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Handwechsel:

Für den Handwechsel pariert man das Pferd zum Halten durch. Es bleibt, so sollte es ein, auf seiner Bahn stehen. Oftmals dreht es sich jedoch zu Dir um. Dies ist ein natürlicher Instinkt. Erlaube deinem Pferd nicht, dass es in den Zirkel kommt. Mit ein bisschen Übung klappt es bald. Des Platzes wegen, verkleinere im Vorfeld den Zirkel ein bisschen. Steht Dein Pferd, gehst Du auf Dein Pferd zu und wickelst dabei die Longe auf. Denke daran, die Longe in die andere Hand zu nehmen, damit beim Abwickeln später die Longe nicht verdreht. Dies sollte zügig von Statten gehen. Wenn Du am Pferd angelangt bist, lobe es und ändere wenn nötig die Länge der Hilfszügel. Dies kommt darauf an, welche Hilfszügel Du verwendest. Die Peitsche hast Du unter dem Arm, die benötigst Du nämlich beim Handwechsel. Jetzt gehst Du Vorne um das Pferd herum, hakst die Longe an der anderen Gebissseite fest. Nun ändere auch auf dieser Seite die Länge der Hilfszügel. Die Peitsche nimmst Du jetzt in die Hand, die dann auf der neuen Hand auch die Peitschenhand ist. Nun absolviert Dein Pferd eine Vorhandwendung. Es dreht sich also mit der Hinterhand, um die Vorhand. Dafür drehst Du den Kopf des Pferdes in Deine Richtung. Die Peitsche führst Du in Richtung Hinterhand und drückst diese von Dir weg. Immer Schritt für Schritt. Solange, bis Dein Pferd sich um 180° gedreht hat. Nun steht das Pferd an derselben Stelle nur anders herum. Es bleibt stehen. Nun gehst Du rückwärts zurück in die Zirkelmitte. Dabei lässt Du die Longe Stück für Stück aus der Hand gleiten. Jetzt sortierst Du noch die Peitsche und die Arbeit kann weiter gehen.

Wenn Du andere Leute beim Longieren beobachtest wirst du feststellen, dass viele ihr Pferd in die Mitte kommen lassen, es hin stellen und dann einfach eine Volte machen und fertig. Dies ist nicht korrekt und kann gefährlich werden. Gleichzeitig dringt das Pferd auch in Deinen Bereich ein und untergräbt Deine Dominanz. Es hat sich aber im Alltag so eingeschliffen, weil es schneller geht und die Pferde bei der richtigen Variante meist nicht wirklich stehen bleiben. Die Pferde kennen ja das Lehrbuch nicht. Doch nimm Dir die Zeit die korrekte Variante zu üben und durchzuführen.

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Das junge Pferd beim Handwechsel

So jetzt sind wir mit der heutigen Folge am Ende. Aber eins bleibt mir noch. Solltest Du mal feststellen, dass Dir beim Longieren das Genick weh tut, wird es daran liegen, dass Du Deinen Hals schräg hälst. Ist irgendwie ein ungeschriebenes Gesetz. Ich kenne keinen der das nicht macht, wenn sich das Pferd dehnt.

Ich hoffe wir konnten Dir ein Stück weiter helfen und verabschieden uns zum Teil 4. Dort geht es um den Trainingsaufbau und darum, was man mit dem Longieren eigentlich erreichen möchte.

Claudi longiert Dragon mit Kappzaum

Solltest Du Fragen zu dem Bericht haben oder im Training etwas nicht klappen, hinterlasse uns gerne ein Kommentar oder schreibe uns eine E-Mail an zwinkerlingsreitsportblog@gmail.com. Wir versuchen Deine Frage dann zu beantworten.

LG und viel Spaß beim Longieren

Wenn du mehr über die Arbeit am kappzaum erfahren möchtest, dann folge diesem Link, dieser führt dich zu einer Bloggerkollegin mit einem Beitrag dazu

*Dieser Link führt zu einer kommerziellen Seite

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