[Montagsserie] Longieren des Pferdes Teil 2: Die Ausrüstung

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Hallo ihr lieben,

im zweiten Teil der Monatgsserie zum Longieren, möchte ich euch heute etwas über die Ausrüstung von Reiter & Pferd beim Longieren erztählen.

Ausrüstung des Longenführers:

Der Longenführer sollte stabiles, geschlossenes, festes Schuhwerk tragen. Am besten Stahlkappenschuhe. Dies beugt Trittverletzungen im Fußbereich vor und schützt vor Vertreten und Zerrungen in den Gelenken. Dies ist meist dann der Fall, wenn das Pferd unvorhersehbar irgendwelche Reaktionen auf einen Reiz aus der Umgebung zeigt. Unerlässlich sind auch Handschuhe. Dies gibt der Longe in der Hand eine bessere Stabilität und verhindert schwere Verbrennungen auf der Haut, sollte das Pferd doch einmal die Longe durch die Hand ziehen. Die Sporen sind selbstverständlich abzumachen, denn sonst besteht Stolpergefahr. Das Selbe zählt für Ringe und Armbänder. Diese können zu Quetschungen und anderen schweren Verletzungen führen. Bei einem ganz jungen und unerfahrenen Pferd empfehle ich einen Reithelm. Dieser hat mich auch schon vor schweren Verletzungen beim Longieren geschützt. Junge ungestüme Pferde können auch mal Reaktionen zeigen, mit denen man nicht rechnet und da sollte der Kopf gut geschützt sein.
Sicherheit geht vor Schönheit.

Ausrüstung des Pferdes:

Longe:

Die Longe sollte ein Mindestmaß von 7-18 m haben und aus festem Gurt- oder Strickmaterial bestehen. Wähle eine Longe, die gut in der Hand liegt, also nicht zu dick oder dünn ist und keine scharfen Kanten aufweist. Lieber 5€ mehr ausgeben, dies zahlt sich aus. Am Ende der Longe sollte eine etwa 20 cm lange Schlaufe angebracht sein. Der Karabiner oder Haken am Anfang der Longe sollte sich vom Longenführer leicht öffnen lassen, aber stabil genug sein, um auch einen stärkeren Druck des Pferdes standzuhalten. Nicht das der Karabiner gleich auseinander springt. Eine Longe, bei der Kugelgelenk zwischen Karabiner und Longe ist, ist absolut unbrauchbar, auch wenn es modern aussieht. Dies sorgt für ein Verdrehen der Longe. Somit kann man keine anständigen Hilfen mehr zu geben. Querstäbe an den Longen geben zwar halt, sind aber aufgrund der erhöhten Verletzungsgefahr nicht mehr gestattet. Die Longe muss fachgerecht angewendet werden. Sie wird nicht um die Hand oder gar den Oberkörper gewickelt.
Fortgeschrittene Reiter wenden zur Ausbildung ihrer Pferde auch gern die Doppellonge an, dass sind 2 Longen in einem, die durch Umlenkrollen das gesamte Pferd einschließen. Wenn Du jedoch soweit bist, um damit arbeiten zu können, benötigst Du diesen Texte hier nicht mehr.

Peitsche:

Ja, richtig. Die Peitsche ist unverzichtbar bei der Arbeit an der Longe. Sie schlägt das Pferd nicht, sondern touchiert es. Es ist quasi der verlängerte Arm des Longenführers. Damit werden die treibenden Hilfen gegeben und die Hinterhand aktiviert. Die Peitsche sollte einen mindestens 2 m langen Stock haben, welcher stabil, leicht und biegsam sein sollte. An diesem hängt ein sogenannter Schlag mit einer Länge von 5 m. Die Peitschen zum Voltigieren nennen sich Teleskoppeitschen und sind um einiges länger. Der gut in der Hand liegende Griff zusammen mit dem ersten Drittel der Peitsche sollten das gleiche Gewicht aufweisen wie der Rest mit samt der Schnur. Dies sorgt für das richtige Gleichgewicht und ermöglicht einen korrekten Einsatz. Die Peitsche und vor allem der Schlag müssen regelmäßig gereinigt werden, damit dieses Gleichgewicht erhalten bleibt.

Zäumung:

Das Pferd sollte stets mit Trense, aber ohne Zügel longiert werden. Die Zügel sollten abgemacht oder wenn nur kurz ablongiert wird, eingedreht werden. Ausnahme bildet der Kappzaum. Dies sorgt für eine korrekte Hilfengebung. Es gibt verschiedene Varianten wie man die Longe am Gebiss einhängen kann. Dies hat immer Vor- und Nachteile.
Am günstigsten ist die Variante die Longe nur am inneren Gebissring einzuhängen. Da besteht zwar die Gefahr, dass das Gebiss durchs Maul gezogen wird, aber nur wenn man keinen Sperrriemen verwendet. Dieser gibt Stabilität. Der Vorteil ist, die direkte Einwirkung aufs Gebiss. Das Longieren mit Longierbrille hat den Nachteil, dass das Gebiss zusammengezogen wird. Dabei drücken die Ringe nach hinten unten und das Mundstück wird spitz und drückt gegen den Gaumen des Pferdes. Dies geschieht auch bei doppelt gebrochenen Gebissen nur nicht so stark. Nebenbei werden noch die Lefzen eingeklemmt. Es entsteht der sogenannte Nussknackereffekt. Das Selbe gilt, wenn man die Longe durch den inneren Gebissring zieht und am äußeren befestigt. Bei der Variante ist das ganze nur noch viel Stärker. Außerdem weiß das Pferd dann auch gar nicht was der Longenführer will. Das diese Variante das Pferd Außen begrenzt stimmt nicht. Er drückt vielmehr den Ring gegen den Kiefer, was für das Pferd sehr unangenehm ist. Alle anderen gängigen und nicht so gängigen Verschnallvarianten erläutere ich hier gar nicht, denn sie sollten nicht angewendet werden. Sie stammen aus Improvisation und Versuche auf ein Pferd die gewünschte Einwirkung zu erreichen. Oft sollten sie auch gewisse Hilfszügel ersetzten. Solltest Du dein Pferd nicht mit einer normalen Verschnallung der Longe, an einer Trense, mit korrekt verschnallten Hilfszügeln, auf einem abgegrenzten Platz/ Halle longieren können, dann solltest Du dir lieber Hilfe holen, anstatt selber irgendwelche Experimente zu starten.

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Kappzaum:

Der Kappzaum ist eine Art Halfter aus speziell gearbeitetem Leder, der über die Trense gezogen wird. Die Wirkung entsteht über einen gepolsterten Stahlbügel, der auf dem Nasenbein liegt. Der Riemen der vom Genickstück über/durch den Stirnriemen zum Nasenriemen läuft, sorgt dafür, dass der Nasenriemen auf der richtig eingestellten Höhe verweilt. Der Nasenriemen an einem Kappzaum ist relativ schwer und würde sonst nach unten rutschen. Für den sicheren Sitz des Kappzaums sorgt ein zweiter Kehlriemen. Dieser ist etwas tiefer am Backenstück befestigt und wird relativ fest verschnallt. Die Ringe an dem Kappzaum, sind zum Einhängen der Longe. Der Mittlere Ring auf dem Nasenriemen ermöglicht eine Stellung in der Ganasche ohne Druck aufs Gebiss zu geben. Die restlichen sind für die Grundausbildung ungeeignet. Sie werden erst bei fortgeschrittener Ausbildung von Pferd und Longenführer nach einer Fortbildung angewendet. Auf Höhe der Stirnriemen sind seitlich noch Ringe angebracht, die bei der Verschnallung vom Chambon und Gogue (Hilfszügel) verwendet werden. Dies wird gern bei jungen oder sensiblen Pferden verwendet, da bei der Verschnallung kein Druck auf das Gebiss direkt gegeben wird und das Pferd sich so an das Gebiss heran dehnen kann.

Longiergurt:

Der Longiergurt wird vorrangig für die Arbeit an der Longe verwendet. Meist wenn ausschließlich longiert wird, in der Trainingseinheit. Der Longiergurt liegt direkt auf dem Rücken und besteht zumeist aus Leder oder Gurt/Leinen. Zum Schutz vor der Abnutzung und zum Aufsaugen des Schweißes wird meist ein Pad, eine Satteldecke oder eine Schabracke darunter geschnallt. Man sollte darauf achten, dass der Widerrist frei bleibt und die Unterlage nicht reibt. An dem Longiergurt sollten mindestens 3, besser 4 genügend große Ringe an jeder Seite befestigt sein und einer in der Mitte direkt über dem Pferd. Meist sind sie 5-10 cm voneinander entfernt. Dies ist nötig, um bei entsprechender Arbeit individuell eine Dehnung oder Aufrichtung erreichen zu können. Außerdem wird es bei verschiedenen Hilfszügeln verwendet. Bei der Arbeit mit der Doppellonge sollten sich daran Umlenkrollen befestigen lassen. Bei reinen Ledergurten sollte auf ein weiches Leder Wert gelegt werden und bei allen auf eine gute Pflege. Es besteht die Gefahr, dass es durch die Feuchtigkeit des Schweißes zu Rissen kommt. Dies verursacht dann Scheuerstellen.

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Laufgurt:

Der Laufgurt ist eine Art Longiergurt nur meist länger und flexibler. Er wird über den Sattel verschnallt. Er hat eine Länge von 2 m und besteht aus Leder oder Gurt. Die tatsächliche Länge beträgt 1,50 m der Rest sind Strupfen zum Verschnallen. Diese sorgen für eine gute Stabilität und eine leichte Handhabung. Heutzutage wird er eher seltener Verwendet. Verwendet wird er beim Ablongieren eines Pferdes vor der eigentlichen Arbeit.

Sattel:

Das Longieren mit Sattel ist nicht so geeignet. Es lässt keine ordentliche, gezielte Arbeit mit dem Pferd zu. Zudem lassen sich die Hilfszügel nur schwer korrekt anbringen. Zumindest wie man es sich dies, für die Arbeit an der Longe, wünscht. Er wird im Alltag bei der Arbeit im Reitunterricht angewendet oder zum Ablongieren eines jungen oder etwas steifen Pferdes. Auch zum Gewöhnen des Pferdes an den Sattel. Die Steigbügel sollten beim Longieren entweder raus geschnallt oder so befestigt werden, dass sie nicht unkontrolliert herunterhängen und dem Pferd bei jeder Bewegung gegen den Ellbogen oder Rumpf schlagen. Das würde falsche Reize setzten und die Hilfen würden nicht wie gewünscht ankommen. Das Pferd könnte gar Erschrecken. Ausnahme ist das Anlongieren des jungen Pferdes, bei dem das Baumeln der Bügel gewünscht ist, damit es sich an die Berührungen gewöhnt. Dies ist jedoch umstritten. Der Reiter gibt in der Regel kontrollierte Hilfen.

Beinschutz:

Der Beinschutz ist beim Longieren fast wichtiger als beim Reiten. Durch die permanente Rotation in den Gelenken sind die Beine des Pferdes höher strapaziert. Das Pferd kann auch mal los bocken. Daher ist es ratsam, zumindest wenn das Pferd Eisen hat, ein Beinschutz anzulegen. Entweder in Form von Bandagen oder Gamaschen. Springglocken kann ich nur wärmstens empfehlen, weil Ballentritte beim Longieren recht schnell gehen und häufiger auftreten wie beim Reiten. Ungeahnte Hinterhandaktivität könnte auftreten, wenn sich das Pferd frei bewegen kann. 🙂 Es ist Irrsinn zu glauben, dass Bandagen oder Gamaschen den kompletten Druck von dem Sehnen-/Bandapparat nehmen, auch nicht wenn sie unter dem Fesselkopf entlang führen. Sollen sie auch gar nicht, denn sonst würde die Muskulatur, die für die Stabilität zuständig ist, abgebaut werden. Aber sie stabilisieren das Gelenk und unterstützen die Muskelketten bei ihrer Arbeit. Zudem hemmen sie Stöße und Verletzungen durch das Streifen mit den Eisen am Bein.

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Hilfszügel:

Dies ist in der heutigen Zeit ein eigenes, umstrittenes und heikles Thema. Hilfszügel sind zwingend erforderlich, wenn man eine korrekte Arbeit und Ausbildung ausführen möchte. Sie müssen mit Bedacht ausgewählt und stets korrekt verschnallt angewendet werden. Dies sprengt jedoch den Rahmen dieses Beitrages. Nach Teil 3 des Themas Longieren, bei dem es um den Sinn und Zweck des Longierens gehen wird und wie man denn nun richtig longiert, werde ich eine neue Montagsserie erstellen. Dann geht es genau um dieses Thema. Hilfszügel, dessen Wirkung, Einsatz und Verschnallung.
Ich hoffe wir konnten euch ein bisschen weiterhelfen bei dem Thema der Ausrüstung fürs Longieren. In 2 Wochen kommt dann Teil 3. Bis dahin gibt es sicherlich immer wieder Neuigkeiten von uns, Dragon und Hiro.

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5 Kommentare

  1. Willkommene Abwechslung, die ich gerne angenommen habe. Ich bin durch Zufall auf Deinen Blog gekommen, da ich etwas zum Thema Umlenkrollen gesucht habe. Allerdings nicht beim Geschirr von Pferden, wenn ich das richtig verstanden habe, sondern bei Förderbändern. Aber man lernt nie aus. Vielen Dank

  2. Hihi, ja eine Umlenkrolle gibt es auch an einem longiergurt 😂😂 Funktion ist aber ähnlich wie bei förderbändern nur kleiner. 😂😁

  3. Hallo
    Wirklich sehr interessanter Artikel! Allerdings finde ich das Argument man sollte stets mit Trense longieren kritisch. Wenn man mit Trense longiert hat das Pferd ständig Zug im Maul. Hilfszügel tragen dazu bei das dem Pferd bei jedem Schritt im Maul geruck t wird… Das Pferd lernt so außerdem auch nicht sich selber zu tragen und nach entfernen der ,,Hilfszügel“ läuft es genauso schlecht wie davor

    1. Hallo, danke für dein Kommentar und entschuldige die späte Antwort. Ich kann dein Einwand verstehen, aber um eine weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul zu erhalten, bedarf es bei jungen und Korrekturpferden aus meiner Erfahrung eine Trense und den passenden Hilfszügel. Man kann ja auch mit Kappzaum longieren. Somit hat man keinen Druck auf dem Maul. Es hat aber auch einige Nachteile. Beim Anreiten kann man das gern machen, aber du könntest ein Problem bekommen, wenn du dann aufsteigen möchtest und das Pferd den Druck das Gebisses nicht kennt. Es gibt so viele Möglichkeiten, dann müssten wir aber Bücher schreiben. Wir haben uns an die Richtlinien der FN gehalten und an die Inhalte zu Reitabzeichen. Ich selber habe auch schon mal mit Kappzaum longiert, jedoch sind meine Erfahrungen nicht so gut, wie mit der Arbeit an der Trense. Gerade wenn es um Stellung geht und um Pferde, die allgemein fest im Maul sind. Aber auch da gehen die Erfahrungen ja weit auseinander.
      Ich Bedanke mich für deinen Einwand und hoffe, dass auch daraus die anderen Leser etwas mitnehmen können. Deinen letzten Einwand mit Hilfszügel raus und das Pferd geht so schlecht wie davor, kenne ich Hauptsächlich beim Reiten mit Schlaufzügel, wes wegen ich da auch absoluter Gegner bin. Aber beim Longieren, habe ich die Erfahrung noch nicht gemacht. Wenn so ein Problem auftritt, würde ich empfehlen, nicht nur ein zwei mal zu longieren, sondern über einen längeren Zeitraum, damit das Pferd sich dementsprechend bemuskelt, oder über einen anderen Hilfszügel nachdenken, wie das Chambon, oder Gogue,dort hat es nicht bei jedem Schritt Druck am Maul, aber da wird es nur mit absoluten Aufrichtung schwierig. Aber es hat ja auch alles Vor- und Nachteile. Und man müsste schauen, um was für ein Pferd es sich handelt.
      LG

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