[Montagsserie] Die Ausbildungsskala des Reiters T.3 Entwicklung der Einwirkung

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Hallo,

willkommen zurück zur Montagsserie Die Ausbildungsskala des Reiters

Rückblick

In den letzten Beiträgen habt ihr Allgemeines zur Ausbildungsskala des Reiters und zu deren Aufbau erfahren sowie zu den ersten Punkten der Ausbildungsskala. Dabei ging es um die Entwicklung des Sitzes. Im heutigen Beitrag soll es um die Entwicklung der Einwirkung gehen. Diese baut sich aus den Punkten Eingehen in die Bewegung, Hilfengebung und Zusammenspiel der Hilfen auf. Parallel zu allen Punkten der Ausbildungsskala entwickelt sich das Bewegungsgefühl stets weiter. Jetzt wundert ihr euch vielleicht. Ja, das Eingehen in die Bewegung war in dem letzten Teil ein Thema. Es ist in beiden Punkten der Entwicklung des Sitzes und der Entwicklung der Einwirkung ein Thema. Es ist das letzte Ziel bei der Entwicklung des Sitzes und die Grundlage für das Erlernen der korrekten Hilfen, also der Einwirkung.

Ausbildungsskala des Reiters

Eingehen in die Bewegung

Dazu möchte ich gar nicht mehr viel schreiben, denn es ist im letzten Teil bereits ausgiebig besprochen worden. Ich werde nur noch kurz darauf eingehen, was es speziell mit der Einwirkung zu tun hat.

Das Eingehen in die Bewegung ist die Voraussetzung für die Entwicklung der Einwirkung. Im Prinzip ist es ein Produkt was zur Summe führt, wenn man dann die Hilfengebung hinzunimmt. Es nutzt nichts, wenn man die Hilfengebung kennt, sich jedoch nicht auf sein Pferd einstellen kann und nicht der Bewegung folgt. Deutlich wird das an mir selbst am besten. Wer uns schon eine Weile verfolgt der weiß, dass ich am Sprung entweder schiebe oder zu früh aufstehe, was Hiro zur Verweigerung veranlasst. Das Beispiel zeigt, dass ich zwar die Hilfen kenne, doch dadurch dass ich mich fest mache und schiebe oder nichts tue, warte und zu früh aufstehe, die Hilfen nicht korrekt ankommen. Ich gehe nicht in die Bewegung des Pferdes ein, sondern reite darüber hinaus oder wirke dagegen. Das gleiche wäre in der Dressur, wenn man zwar die Hilfen für den Außengalopp gibt, aber nicht im Pferd sitzt und es dann umspringt, weil man evtl. eine Seite mehr belastet hat. Deshalb steht es als Grundlage. Der Sitz sollte unabhängig sein, um Perfektion in der Hilfengebung zu erreichen. Denn die Ausbildungsskala sieht ja den Reitanfänger genauso vor, wie den Profi.

gut geeignet sind Gymnastikreihen

Hilfengebung

In diesem Part geht es darum die Hilfen grundsätzlich zu erlernen. Also Schenkel, Gewicht und Zügelhilfen im Einzelnen, aber so dass sie einen für das Pferd verständlichen Sinn ergeben. Sie bauen aufeinander auf. So muss der Reiter genau wie das Pferd die grundsätzlichen Hilfen verstehen und erlernen. Danach können sie kombiniert werden und in Lektionen einfließen. Z.B Schenkelweichen ist ja nichts anderes, wie dass das Pferd lernt vom Schenkel weg zu gehen. Das geschieht aber erst in der letzten Stufe der Ausbildungsskala, wobei es nicht so richtig zu trennen geht, eher zu perfektionieren und bewusster werden zu lassen. Der Reiter muss lernen, wie er Gewichts-, Schenkel-, und Zügelhilfen im Einzelnen zu kombinieren hat. Die Hilfengebung ist weit gefächert. Somit wird auch klar, warum es günstiger ist ein erfahrenen Reiter auf ein junges Pferd zu setzten und einen unerfahrenen Reiter auf ein erfahrenes Pferd. So wird aber auch klar, warum eins und eins bei einem Pferd nicht gleich zwei sein muss. Denn es kann aus verschiedenen Gründen zu Missverständnissen kommen. Meine Hilfe kommt zu spät, zu schwach, zu unsicher, zu doll, zu früh. Ich bin zu fest als Reiter, mein Pferd hält sich fest u.s.w..

Dies ist auch der Grund warum wir jetzt zu dem letzten Punkt kommen. Denn es bedarf zur Kommunikation mit dem Pferd nicht nur eine Hilfe, sondern mehrere in Kombination.

Zusammenwirken der Hilfen

Wenn wir nach der Ausbildungsskala gehen, sind wir an dieser Stelle in der Lage mit unserem sicheren und unabhängigen Sitz, geschmeidig in der Bewegung des Pferdes einzugehen und wir kennen die einzelnen Hilfen in der Anwendung oder eben auch nicht. Sollte aber so sein. Jetzt heißt es, das letzte Puzzleteil hinzuzufügen und das Zusammenspiel der Hilfen zu erlernen. Das fängt aber schon beim ersten Abwenden und angaloppieren an und hört bei den Einerwechseln auf. Das beweist, dass die Ausbildungsskala an alle Reiter gerichtet ist. Ein Parcours in der Schweren Klasse zu überwinden fühlt sich auch anders an und hat andere Voraussetzungen als eine Stange zu überwinden. Zumindest praktisch. Das Kombinieren der Hilfen wird also im Verlaufe der Reiterkarriere perfektioniert und automatisiert. Da wo der Einsteiger noch darüber nachdenken muss, wo ich das Bein hinlege, welchen Gesäßknochen ich vermehrt belaste und wie jetzt meine Zügelhilfe sein müssen, um z.B. anzugaloppieren, durchzuparieren oder auf eine Volte abzuwenden, macht das der erfahrene Reiter automatisch und konzentriert sich eher darauf, wie sich das Pferd anfühlt. Wo er eine Parade oder mehr, weniger Druck am Schenkel benötigt, ob das Pferd genug durch den Körper schwingt oder sich mehr setzen müsste.  Das Zusammen wirken der Hilfen ist also quasi die Sprache des Reiters, die im Laufe der Karriere immer deutlicher, verständlicher und flüssiger wird.

Seitengänge

Fazit

Reiten lernt man nur durch Reiten und durch Fehler, die dabei entstehen. Je mehr Pferde man reitet, desto schneller entwickelt sich das Gefühl fürs Pferd und für das was man als Reiter tut. Die Ausbildungsskala des Reiters richtet sich an alle Reiter, egal in welcher Entwicklung man steht und sollte regelmäßig geschult werden. Das Bewegungsgefühl entwickelt sich mit der Zeit immer stärker aus. Das Zusammenspiel der Hilfen ist das Ziel und die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Dieses funktioniert aber nur, wenn der Reiter sicher sitzt und in die Bewegung des Pferdes eingehen kann. Das Pferd ist ein Lebewesen mit physischen und psychischen Komponenten. Das heißt, dass es zwar Richtlinien gibt, aber diese an jedes Pferd und an jeden Reiter angepasst werden müssen. Die Dosis ist bei jedem Pferd anders. Somit ist reiten auch nicht Mathe und eins und eins ergibt nicht immer zwei. Manchmal muss man Umwege gehen und manchmal ist der Weg eine Weltreise. Nur auf Abkürzungen sollte man verzichten, denn dann könnte sich das im Verlaufe der Ausbildung rechen und es wird eine Stelle geben, an der man genau dorthin zurück befördert wird, bei der man die Abkürzung eingeschlagen hat. Ein Haus beginnt man auch nicht im 1. Stock zu bauen.

Da das Reiten unsere Leidenschaft ist, unser Hobby und unser Leben, kann es ruhig auch das ganze Reiterleben dauern.

Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Reiten, denn dann trainiert ihr auch gleich und blickt ruhig einmal auf die Skala zurück. Vielleicht sind die Stunden von „Sitzschulung“ dann gar nicht mehr so schlimm oder einem sogar peinlich. Ihr könnt sowas auch mal heimlich machen mit einer Freundin. Aber besser ist ihr steht dazu. Wir werden Übungen für eine Sitzschulung sammeln, und euch noch in diesem Jahr zur Verfügung stellen. Denn ein geschmeidigerer Sitz führt zur verbesserten Einwirkung auf das Pferd.

Bis dahin LG Eure Zwinkerlinge

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